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Projekt Traumeltern


Reflektionen und Praxiserfahrungen zum Thema 'Abgrenzung und friedliche Koexistenz',
geeignet für die 8. bis 10. Klasse von Martina Claus-Bachmann

'Der Absatz ist zu hoch und die Hose zu eng',
Sagte meine Mum, doch ich sag': 'Sei nicht so streng!'
Ich zieh an, was ich mag,
Sie meckert nur an mir herum
Und das find' ich dumm.
Schon morgens da fängt der Stress bei uns an.
ich weiß nicht, was läuft,
ich weiß nicht, was geht ...
Sie hat meine Gedanken verdreht.
Doch abends da träum' ich, da träum' ich
von den Traumeltern ... Traumeltern ...

Refrain:
Sie meckern nicht, sie schreien nicht                          

bei ihnen darf ich anziehn, was ich will

Ob hohe Schuh' oder enge Hos' - 

Bei ihnen ist immer 'was los...

(Text von Britta und Nadja)1

Video I

Britta und Nadja

Video II

Knopf und Andi

Selbstinszenierung, Ausloten der Außenwirkung der eigenen Erscheinung, Einflussnahme auf das Wahrgenommen-Werden durch andere: Hohe Absätze, enge Hose, anziehen, was man will ... Kleidung konstruiert neben anderem das Ich, grenzt vom Bisherigen ab, also auch von den Eltern. Die extremste Abgrenzung wäre Autarkie; diese ist für die meisten Jugendlichen nicht in Sichtweite und wird nur im äußersten Extremfall gewünscht. Die Machtverhältnisse sind deutlich verteilt: Auf Seiten der Eltern ökonomische Überlegenheit, in vielen Fällen Zugehörigkeitsbewusstsein zur einer der etablierten Dominanzkulturen2, Normierungsansprüche gegenüber den Kindern im Hinblick auf kulturelle Ausdrucksformen, wie Kleidung, Musik, Wohn-, Lebensstil usw., - ein häufiges Muster in der "Beziehungskiste" von Eltern und Jugendlichen. Sicher, gegenüber vorhergehenden Generationen hat sich einiges verändert. So mag sich das kulturelle Klima in den Familien durchaus im postmodernen Sinne hin zu Pluralität gewandelt haben, mögen Eltern, die selbst mit dem Wachsen und der Verästelung heterogener Kulturen aufgewachsen sind, ohne Frage toleranter sein im Gewähren von Spielräumen beim Versuch ihrer Kinder, eine eigene Identität auszuprägen, doch bleibt die Grenzziehung immer noch ein großer Balance-Akt innerhalb der Dynamik des Systems Familie. Das belegen beredt die Texte, die Schüler schreiben, wenn sie sich mit dem Thema 'Eltern' auseinander setzen. Die Unvermeidlichkeit des Ausharrens im Familiensystem, gepaart mit dem Gefühl der Marginalität, das die permanent vorgeführte Etabliertheit der Eltern vermittelt, schafft ein enormes, ungestümes, im Prinzip nur durch Kompensation aufzufangendes Freiheitsbedürfnis und löst bei vielen Jugendlichen eine leidenschaftliche Suche nach deutlichen Grenzziehungsstrategien aus. Diese unterscheiden sich durch nichts von den limitischen Maßnahmen3 altehrwürdiger kultureller Systeme: Sie äußern sich im Abgrenzen eines Raumes, hier des eigenen Zimmers, akustisch im Errichten einer klanglichen Waberlohe, hier durch die von einer medialen Konsole aus steuerbare Wiedergabe flammender Worte, knisternder Geräusche und den Atem verschlagender Töne, visuell durch ein unübersehbares, schrill-subversives Outfit sowie ideell im abtastend-fantasiereichen Konstruieren neuer Denk- und Verhaltensmuster. Das, was Jugendliche dabei suchen, ist nicht der 'Stress', der 'Nervenkrieg' oder etwa ein Kulturkampf - sie wollen lediglich, dass Eltern ihr Bedürfnis nach Abgrenzung 'richtig' einschätzen, d. h. ihm mit Achtung, Respekt und größtmöglicher Toleranz begegnen: 'Bitte glaubt es mir, ich brauch' euch jetzt!', oder 'Könnt ihr euch nicht vorstellen, wie ich mich manchmal fühl'? Ich tu' oft, was ihr verlangt. Habt keine Angst! Ich lass' euch nicht im Stich. Und trotzdem manchmal möchte' ich nur noch 'raus! In die Freiheit! In mein Glück!' Schön, wie viel Wohlwollen trotz aller Kritik hier für die Situation der anderen, der Eltern aufgebracht wird - das zeigt sich auch beim Brainstorming zur Thematik 'Eltern' in einer 8. Klasse.

Jugendliche sind sich bewusst, dass ihre Eltern sich Mühe geben, freundlich, geduldig, hilfsbereit, aufmunternd und nett sind, dass sie Schutz gewähren und Verantwortung tragen. Auf der anderen Seite werden sie als nervig, besserwisserisch, streng, stressig, neugierig und überbehütend, ja als lästig erlebt. Abgesehen vom allgemeinen Stressfaktor, den der Ablösungsprozess auch für die Eltern darstellt, der ihnen sehr viel Geduld und Gelassenheit abverlangt, scheinen einige doch den Einübungsvorgang in einen neuen Identitätsstatus oder das, was eigentlich als Einüben in kulturelle Techniken gewertet werden könnte, bei ihren Kindern drastisch fehl zu interpretieren.

Speziell auf das Thema Musik bezogen wird deutlich, was den größten Stressfaktor darstellt: Mangelnde Toleranz und Akzeptanz, mangelndes Ernstnehmen der kulturellen Ausdrucksbedürfnisse ihrer Kinder, Verachtung der Grenzmarken ihrer Identität: 'Metal ist keine Musik', 'Musik (des Schülers, d. V.) sei primitiv', 'meine Musik ist hirnrissig'.
Es verblüfft unter kulturrelativierenden Gesichtspunkten, dass von den Eltern anscheinend ein Scheitern ihrer Erziehungsbemühungen gefolgert wird, wenn es nicht gelungen ist, Sohn oder Tochter die eigene kulturelle Normwelt aufzuprägen. Dieser Makel wird offenbar als eine ernsthafte Bedrohung innerhalb des Beziehungsgefüges erlebt - verblüffend insofern, als nicht das Bedürfnis nach kulturellem Ausdruck an sich als erstrebenswert gesehen wird, sondern dieser Ausdruck unbedingt im Bereich der Kultur zu geschehen hat, die man selbst als normierend anerkannt hat, als sei sonst die Kontinuität der eigenen Existenz bedroht. Das macht es wohl gerade für postmoderne Eltern so schwer, sich in Toleranz zu üben: Die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksmöglichkeiten, die Übereinanderschichtung und Verschachtelung zahlreicher Kulturen und kultureller Ebenen, unabhängig von Ort, Zeit und nationalen Grenzen. Oft mag auch einfach die Reflektionsfähigkeit abhanden gekommen oder grundsätzlich noch keine Flexibilität im Einschätzen kultureller Symbolsysteme und Techniken entwickelt worden sein. Dabei wäre es eine hilfreiche Denkmodell-Variante, die Systeme der Jugendkulturen zunächst einmal mit den Mitteln des Fremdverstehens zu betrachten. Niemand nähme es einer Inderin übel, wenn sie in einen farbenfrohen Seiden-Sari gehüllt spazieren ginge. Weder die Flechtzöpfchen-Frisuren von Westafrikanerinnen noch die aufgemalten Körperornamente jemenitischer Frauen würde man innerhalb des kulturellen Kontextes angreifen.  Unser Alltagsleben ist transkulturell durchwebt mit Elementen fremder Kulturen, seien es Nahrungsmittel, Stoffmuster, Räucherstäbchen oder Haushaltsgegenstände, ganz zu schweigen von den nicht mehr bewusst wahrgenommenen transkulturellen Elementen in nahezu jedem der aktuell verfügbaren Musikstile4. Warum tun sich manche schwer, hiesigen Jugendlichen ihre eigene  Kultur mit vielfältigen Ausdrucksformen zuzugestehen, diesen letzten Kreativitätsfreiraum, z. B. innerhalb der Gestaltung des eigenen Körpers, der Wahl einer eigenen Klang-, Kleidungs, Wohn- und Grafik-Kultur? Betrachtet man Jugendsubkulturen als vollwertige Kultursysteme, denen eine identitätsrelevante Funktionalität innewohnt, betrachtet man sie als Fremdkulturen, so kann man nicht umhin, ihnen menschenrechtlichen Respekt zu zollen. Es wäre vielleicht einen Versuch  für die Eltern wert, beim nächsten Betreten des Zimmers ihres Sprösslings, sich der Fantasie hinzugeben, man betrete ein völlig exotisches Haus einer bislang unentdeckten Kultur in der Südsee oder sogar auf einem fremden Planeten5. Georg Elwert, ein Berliner Ethnologe und Soziologe, der in seinem Aufsatz "Kein Platz für junge Wilde"6 die Missachtung der kreativen Fähigkeiten der Jugend in unserer Gesellschaft anprangert und uns den Spiegel anderer, z. B. westafrikanischer Kulturen entgegenhält, die der Altersklasse der jungen Krieger größtmögliche Entfaltungsspielräume zubilligen, erklärt dazu: "Selbstentfaltung zuzulassen - auch dann, wenn sie mit Risiken verbunden ist - Raum für die Selbstorganisation der Klasse der Jungen zu schaffen und sie mit Startkapital auszustatten: Das stünde einer Gesellschaft, die über ihre Modernisierung nachdenkt, wahrlich gut an."
Was bleibt dem, der spürt, dass er als Wesen mit kulturellen Bedürfnissen nicht wahr- oder ernst genommen wird? Im schlimmsten Fall läuft er von zu Hause weg oder erwägt noch Schlimmeres7 , im harmlosesten Falle trotzt er: "Keiner von ihnen will mich versteh'n, was sie davon haben, werden sie schon seh'n" ,"Die Musik ist zu laut, mach' sie leiser! Doch ich sing' so laut, ich bin schon heiser" oder er bastelt sich seine eigenen Visionen, Ideationswesen, seine "Traumeltern", wie im Text von Nadja und Britta: "Sie meckern nicht, sie schreien nicht. Bei ihnen darf ich anzieh'n, was ich will, ob hohe Schuh' oder enge Hos', bei ihnen ist immer 'was los.
Nähe und Distanz - sind das nicht überhaupt die entscheidenden Pole im Zusammenleben mit anderen Menschen ? Friedliche Koexistenz - dieses Ziel wird uns mit Sicherheit in den nächsten Jahren weiterbeschäftigen, nicht nur im Zusammenprall der Generationen, sondern vor allem verschiedener kultureller Systeme8,sei es global oder sei es regional, sei es geografisch-horizontal oder soziologisch-vertikal. In den Texten der Jugendlichen scheint der Wunsch nach ruhig-friedvollem Nebeneinander am häufigsten auf:"Eure vielen Ratschläge, die nerven manchmal bloß. Ich will doch nur meine Ruhe, lasst mich einfach los! Ich versuch' doch mich zu bessern, könnt ihr mich nicht versteh'n? Könnt ihr mich nicht akzeptieren, einfach so wie ich bin?""Nähe auf der Basis der gegenseitig respektierten Unabhängigkeit" nennt es Ekkehard Sander9, der in seinem Aufsatz "Musik vereint - Musik trennt"  herausarbeitet, welche Rolle der Kulturfaktor Musik beim Herausbilden einer eigenen Identität spielt. Deutlich wird die Funktionalität von Musik, die Such- und Orientierungsfunktion besitzt: "Durch das Prinzip der Wiederholung ... werden sie nicht nur mit diesen Liedern vertraut, sondern auch mit den in Text und Sound ausgedrückten Gefühlen und Erfahrungen". Sander weist auf die Rolle der Key-lyrics hin, Titel oder Teile von Liedzeilen, in denen sich die subjektiven Leitmotive und Themen der Jugendlichen wiederspiegelten.
Zu diesen textuellen Signalen gehört ganz aktuell auch der Begriff "Eltern", meist als Einzelvariante "Vater" oder "Mutter".  Etliche Songs ließen sich aufzählen, die sich in den letzten zwei Jahren dieser Thematik annahmen, musikstilistisch quer durch alle Genres und Subkulturen. Da gab es den eher harmlos-netten Titel "Mama" von den Spice-Girls, die tabubrechend-aggressive Anklage gegen erzieherische Gewalt"Vater, wo bist du?", von der Gruppe "Die Dritte Generation", "Mama said"  der Metal-Band Metallica, den obstrus-makabren Song "I saw your Mommy" der Skate-Punk-Formation "Suicidal Tendencies" und außer diesen Komplett-Texten noch eine Menge Anspielungen auf das Thema, z. B. im Hip Hop-Bereich bei Cora E. oder Sabrina Setlur.
Zur hier reflektierten Thematik der kulturellen Abgrenzung mit dem Ziel-Zustand einer friedlichen Koexistenz  sollen ein Musiker und drei seiner Songs vorgestellt werden, die aus der schulpraktischen Erfahrung heraus inhaltlich eine umfangreiche Materialbasis zum Thematisieren der soeben reflektierten Aspekte bieten. Es handelt sich um den ghanesischen Rapper Nana und seine im Sommer 1998 erschienene CD "Father". Materialgrundlage für eine methodische Umsetzung im Musikunterricht sollen der Titelsong 'Father', der dem Andenken der Mutter gewidmete Song 'You' und der Titel 'Dreams' als Grundlage für eigene Text-Inszenierungen bzw. reproduktions-orientierten Umgang mit Nanas Musik-Welt sein10.

Father

YOU

DREAMS

BIO

Stichpunktartig wird im Folgenden eine methodische Möglichkeit zur Organisation des Materials vorgestellt, die man Mini-Projekt nennen könnte, welche sich zeitlich über ca. fünf Unterrichtsstunden erstreckt und rezeptive, reproduktive und produktive Anteile aufweist.

1. Stunde: Brainstorming zum Thema "Eltern"
Tafelanschriften -> Kreissitzordnung: Aufgreifen und Diskussion auffälliger Begriffe innerhalb der betreffenden Gruppe, Sammeln und Notieren von Gedanken und Ideen zum Thema -> Hausaufgabe: Suchen von Songs mit der Thematik, Erklären der Zielvorgabe: Erstellung eines eigenen Songs
2. Stunde: Fragestellung: Wie geht ein Profi mit der Thematik um? Vorstellen der beiden Songs 'Father' und 'You' von Nana
a)  Anhören und Mitlesen der Texte -> Klären unbekannter Begriffe, nicht verstandener Textstellen
b)  Kreisgespräch über Nanas Beziehung zum Vater bzw. zur Mutter -> Vergleich mit anderen Songs und ihrer Behandlung der Thematik in den Texten -> Vergleich mit der Beziehung zu den eigenen Eltern
c)  Lesen der Bio von Nana und Herstellen einer Beziehung zu den Songtexten

Inhaltlich bieten die Texte von und über Nana folgende Haupt-Ansatzpunkte:
* Nana ist Migrant aus einem Land der Dritten Welt, aus einer fremden Kultur, seine Hautfarbe war und ist Garant für 'Probleme', d. h. hier für das Wahrgenommenwerden als 'Fremder' in einer Zeit zunehmender kultureller Diversität und Verunsicherung in der Mehrheitskultur
* Nana, der aus einem in seiner Herkunftsgesllschaft privilegierten, also dominantem Milieu stammt, fühlt sich marginal in unserer Gesellschaft, sein Migrantenstatus, seine Hautfarbe und der Lebenskampf seiner allein erziehenden Mutter in einer fremden Kultur regen ihn zur kulturellen Selbstbehauptung an
* Nana teilt trotz seines Fremdheitsstatus das Erfahrungsmuster vieler Jugendlicher in unserer Gesellschaft: Der Vater hat die Familie verlassen, die Eltern haben sich getrennt, die Mutter zieht vier Kinder alleine auf in einer fremden Kultur unter schwierigen Lebensbedingungen
* Nanas Religiosität, sein Glaube an Gott wirkt wie die Konstruktion eines Vaterersatzes; er hat Gott zu seinem Ideationswesen erklärt, das ihn in schwierigen Situationen begleitet und ihm weiterhilft. Eine ähnliche Funktion teilt Nana seiner verstorbenen Mutter zu, die ihm noch oft in seinen Träumen erscheint.
* Spannend ist, welche musikalischen Ausdrucksformen Nana zur Konstruktion seiner hiesigen kulturellen Identität wählt; dieser Punkt ist Thema der nächsten Stunde

   3. Stunde: Untersuchung von Nanas Musikwelt
Aufwerfen der Frage, welche musikalischen Ausdrucksformen man für jemanden in Nanas Situation erwarten würde. Eine Möglichkeit wäre ein herkunftsorientierter afrikanischer Popmusiksound oder eine an der deutschen Mehrheitskultur orientierte assimilierte Popmusikvariante; am wenigsten würde man wohl auf eine Orientierung innerhalb eines der subkulturellen Spektren tippen, da Nanas kultureller Background hier am wenigsten verortet zu sein scheint, doch wir täuschen uns: Nana erweist sich als echter 'Transkultureller', als kultureller Mischling, der seine Lektionen in der deutschen Rap-Disco-Szene gelernt hat: sein Stil bezieht Spannung aus einer Gegensätzlichkeit - auf der einen Seite afroamerikanisch orientierte Rap-Elemente in den Strophen mit einer karg-repetitiven Begleitung von Drum'n'Bass, in denen er selbst seine Lebenserfahrungen mit sonorer Stimme narrativ artikuliert und auf der anderen Seite europäisch anmutende durch hohe Frauen- und Männerstimmen gesungene Chorus- und Bridge-Teile mit füllend-elektronischem Begleitarrangement, das klangfarblich barockisierend an Cembalo und Streicher erinnert, also im Stile von Klassik-Rap

Methodisches Vorgehen:
a)  Kurzes Anspielen der beiden Songs der letzten Stunde und Vergleich ihres emotionalen Ausdrucks ('Father' wirkt distanzierter, cooler, während 'You' sehr traurig und warm klingt, was dem emotionalen Gehalt der Texte entspricht)
b)  Anhören und Mitlesen des Songs 'Dreams': -> Klären des Textverständnisses -> beim zweiten Hören: Nummerierung der Abschnitte Strophe, Chorus, Bridge -> beim dritten Hören: Notieren der Klangfarben und Instrumentalpassagen in den einzelnen Abschnitten ('Dreams' klingt feierlicher und hat etwas Kultisch-Festliches)
c)  Aufteilen der Gruppe nach Reproduktionsfähigkeiten und -präferenzen: Keyboard-Spieler, Schlagzeuger, Percussionisten, Chorsänger, Solosänger, Rapper,  Bewegungsspezialisten -> Einüben des Songs 'Dreams'  mit möglichst vielen Live-Anteilen; Klärung der Möglichkeiten für die Begleitung: Diese sind je nach vorhandenen Res-
 sourcen unterschiedlich:

* Schüler oder Lehrer besitzen Sequenzer-Programme und können auf ihrem Heimcomputer mit dem Keyboard oder aus Sample-Pools ein Playback erstellen und auf CD-ROM brennen
* die Schule ist ausgestattet mit einer Stereoanlage oder einem Equalizer mit Karaoke-Funktion, bei der man die Stimme weitgehend wegblenden (mute) kann
* in der Gruppe sind Schüler, die instrumental stabil eine Begleitung spielen können
* die Schule besitzt Keyboards mit Begleitautomatik und passenden Rap-Pattern in der Rhythmus-Sektion; diese können vorprogrammiert und live aufgerufen werden

4.  Stunde: Arbeit am eigenen Songtext -> Partnerarbeit (Übertragen auf das oder Abgrenzen vom Muster)
Die Partner sind zuständig für Inhalt, Form und Inszenierung des Textes; sie müssen sich um das Begleitarrangement kümmern, das live oder durch Playback hinzukommen kann, sie müssen eine Bewegungsinszenierung entwerfen, die sie selbst gestalten oder mit der sie Mitschüler beauftragen.
Ziel ist ein Vortrag in Form einerVideo-Aufnahme oder einer Liveshow.

5. Stunde: Ausarbeitung des eigenen Textes bzw. der Inszenierung, bei Bedarf weitere Stunden, vor allem für die Aufnahme der Inszenierungen, die allerdings auch privat erfolgen kann.

Abschluss des Mini-Projekts: Vorführung, Vergleich, gemeinsame Bewertung der Projekte, eventuell öffentliche Aufführung oder Zusammenstellung und Publikation auf einem Medium, z. B. Video oder CD-ROM; Reflektion der gemachten Erfahrungen mit den Schülern, z. B. im Kreisgespräch oder durch einen schriftlichen Auswertungsbogen.
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Anmerkungen:

1 Die zitierten Textausschnitte und Abbildungen entstammen den Ergebnissen eines durchgeführten Mini-Projekts zum Thema in einer 8. Klasse an einer Realschule

2 Unter dem Begriff Dominanzkultur wird hier eine Kultur verstanden, die sich ökonomisch, machtpolitisch, hegemonial, gesellschaftlich als Kontrollinstanz für die Gesamtgesellschaft einer erkennbar umrissenen Gruppe, z. B. einem Nationalstaat, manifestiert bzw. diesen Status beansprucht, wobei in postmodern-pluralistischen Gesellschaften unterschiedliche Grade und wechselweise Dynamik von Dominanzrollen verschiedener kutlureller Systeme nebeneinander denkbar sind.

3 Der Begriff 'limitische Struktur' wurde von dem Ethnologen Wilhelm Mühlmann eingeführt, der das Wesen von Kultur in 'ihrer distinktiv gesteigerten Form' sieht (zitiert nach Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. München 1992, S. 153). Das heißt, es werden Grenzmarken gesetzt, die kulturelle Systeme deutlich absetzen. Diese können ganz konkret aus Mauern bestehen, wofür die Große Mauer in China ein markantes Beispiel ist. Wichtiger jedoch sind nach Assmann die Markierungen, die sich durch den Menschen selbst bestimmen, 'Tätowiermuster, Körperbemalung, Körperdeformationen, Schmuck, Tracht, Sprache, Küche, Lebenshaltung ... Gesänge und Tänze.'

4 s. dazu den Grundsatz-Artikel von Volker Schütz in: Claus-Bachmann, Martina (Hg.): Musik trankulturell erfahren - Anregungen für den schulischen Umgang mit Fremdkulturen. Bamberg 1998; für DM 40.- Vorausscheck zu bestellen bei der Autorin

5 Eine passende, sehr atmosphärische Darstellung zu diesem Aspekt bietet auf literarisch-satirische Weise der Text "Fünfzehn" von Reiner Kunze: Fünfzehn. Frankfurt/Main 1976, S. 27-29

6 Elwert, Georg: 'Kein Platz für junge Wilde'. In: Die Zeit vom 26. 03. 1998, S. 51

7 Elwert: 'Selbstmorde der Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren sind signifikant überrepräsentiert' (s. 6)

8 Huntington, Samuel P.: 'Wohin die Macht driftet'. In: Die Süddeutsche Zeitung, 20./21. 03. 99, Feuilleton-Beilage S. I

9 Sander, Ekkehard: 'Musik vereint - Musik trennt'. In: Schüler, 1998, S. 106

10 Internet: Einige Songtexte und der Lebenslauf Nanas sind abrufbar über die Homepage des Levels Booya-Music
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Zitierte und verarbeitete Literatur

Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. München 1992

Elwert, Georg: 'Kein Platz für junge Wilde'. In: Die Zeit vom 26. 03. 1998, S. 51

Fthenakis, Wassilios: 'Ein Vater ist auch Vorbild'. In: Schüler 1997, S. 64 - 65

Huntington, Samuel P.: 'Wohin die Macht driftet'. In: Die Süddeutsche Zeitung vom 20./21. 03. 99, Feuilleton-Beilage S. I

Kunze, Reiner: Fünfzehn. Frankfurt/Main 1976, S. 27-29

Sander, Ekkehard: 'Musik vereint - Musik trennt'. In: Schüler, 1998, S. 106-108

Schütz, Volker: 'Transkulturelle Musikerziehung'. In: Claus-Bachmann, Martina (Hg.): Musik transkulturell erfahren - Anregungen für den schulischen Umgang mit Fremdkulturen. Bamberg 1998, S. 1 - 6



© December 2010 by Martina Claus-Bachmann